Freitag, 14. August 2009

Tag 3

Für heute hatten wir geplant den Tag so früh wie möglich zu beginnen, damit wir ein bisschen eher nach Nara kommen, mit der Stadttour am Frühnachmittag fertig sind und dann nach Iga-Ueno weiterfahren können. Dort wollten wir das berühmte Ninja-Museum besuchen, das sich in dieser ländlichen Kleinstadt in der Präfektur Kyoto befindet. Früh aufzubrechen war natürlich kein Problem weil der Jetlag noch ein wenig seinen Tribut zollte. Es ist komisch wenn man um 05:30 aufwacht nur weil sein Körper danach verlangt. Normalerweise wache ich nur bei einem Kanonenschlag in der Früh auf! Darin lag jedoch ein weiterer Vorteil. Durch das frühe Aufwachen konnte ich noch ein wenig im DK-Führer lesen und so in Erfahrung bringen was der Tag denn so zu bieten hatte – und alles hörte sich faszinierend an.

Nara war die erste offizielle Haupstadt Japans. Im Gründungsjahr 710 n.Chr. war sie jedoch noch als Heijo bekannt. Nur 74 Jahre später bekam eine andere Stadt die neue Hauptstadt weil die Klöster in Nara zu mächtig wurden. Nara blieb jedoch auch nach der Aberkennung als Hauptstadt eines der mächtigsten Buddhistenstätten in Japan und vielleicht sogar in ganz Ostasien, insbesondere wegen des riesigen Todaiji-Tempels. Darauf hatten wir es heute auf jeden Fall abgesehen. Die Gegend um die alte Hauptstadt wird heute in Form eines Parks erhalten, wo sich alle alten Schreine und Tempel befinden.

Die Zugfahrt von Kyoto ist ziemlich kurz, sie kann jedoch zwischen 45 und 80 Minuten dauern, je nachdem, ob man einen Schnell- oder Bummelzug erwischt. Wir hatten Glück und unsere Fahrt dauerte nur etwa 50 Minuten. Nachdem wir Nara schon recht bald erreicht hatten gingen wir gleich vom Bahnhof zum Park östlich des Stadtzentrums. Es dauert eine Weile bis man den Park erreicht, aber nicht zu lange (ungefähr 20-25 Minuten), und das geschäftige Treiben in den Läden und Schaufenstern gestaltet den Weg interessant.

Am Rande des Parks befindet sich der Sarusawa-ike-Teich, eine Art natürlicher Grenze zwischen dem Park und der Stadt. Dort machten wir als erstes Halt:

Von hier aus gingen wir nach links und stiegen die Stufen zum Kofukuji-Tempel hinauf:

In diesem riesigen Komplex und mitten unter den verschiedenen Gebäuden (eine beeindruckende fünfstöckige Pagode inbegriffen) fällt einem eine der Attraktionen von Nara-Park ins Auge – und es handelt sich dabei um kein Gebäude:

Die heiligen Hirsche im Nara-Park sind überall zu finden. Wenn man sich umdreht ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man einen sieht. Sie sind sehr zutraulich und kommen recht nah her. Sie lassen sich sogar streicheln aber nur wenn man sie mit Keksen „besticht“!

Danach gingen wir zur Hauptstraße zurück und folgten dem Pfad zum Kasuga-Taisha-Schrein, unserem ersten längeren Halt auf dieser Tour. Der Schrein liegt tief im Wald des Parks und ist gänzlich abgeschieden von den anderen Tempeln des Parks. Ich frage mich, ob dies irgendwas damit zu tun hat, dass dieser hier der einzige Shinto-Tempel ist (all die anderen sind buddhistische Tempel). So oder so hat es sich gelohnt hierher zu laufen (obwohl es vom Bahnhof aus fast eine Stunde gedauert hat). Auf dem Weg dorthin befinden sich Steinlaternen auf beiden Seiten des breiten Kieselsteinpfades,

die Bäume bieten angenehmen Schatten und es gibt mindestens ein Paar Brunnen, wo man sich mal schnell erfrischen kann.

Am Ende des größten Pfades befindet sich der Kasuga-Taisha-Schrein, in all seiner roten Pracht. Wenn man durch das südliche Nanmon-Tor geht, merkt man, dass sich hinter diesen Holzwänden etwas Besonderes befindet:

Nach einer kurzen Tour und Verschnaufpause auf den Stufen außerhalb des Schreins kehrten wir auf den Pfad zurück und gingen durch den dichten Wald in Richtung Norden des Parks. Auf dem Weg zum Todaiji-Tempel findet man einen kleinen Schreinkomplex, wo sich, u.a., der Tamukeyama-Hachimangu-Schrein zwischen den Bäumen verbirgt

sowie der beeindruckende Nigatsu-do-Tempel, der auf einem kleinen Hügel ruht:

Die Hitze fing wieder an uns zu schaffen zu machen, deswegen legten wir am Fuße des Hügels einen kurzen Zwischenstopp ein. Wir zogen anschließend unsere Karte zurate und gingen um die Ecke in Richtung Todaiji-Tempel. Die Halle des Großen Buddhas, die das Zentrum des Komplexes ausmacht, ist das größte rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt:

Sie beherbergt eine große Buddhastatue (15m hoch, 500 Tonnen)

und zwei Wächterstatuen aus Holz neben dem Buddha:

Dies ist für mich bei weitem eines der beeindruckendsten Gebäude, das ich in meinem Leben gesehen habe. Seine bloße Größe und die Tatsache, dass alles aus Holz ist (mal abgesehen davon, dass es zweimal neu errichtet wurde weil es niederbrannte) lässt es mächtig imposant aussehen.

Kurz vor dem Verlassen des Tempels habe ich ein paar traditionelle O-Mamori (Glücksbringer) für Freunde und Familie gekauft. Ich denke, dass sie keinem bestimmten Zweck dienen (obwohl man welche für jede Lebenssituation bekommt, von Academic Excellence bis hin zu Impotenz!) aber sie sehen auf jeden Fall hübsch aus.

Wenn ihr noch ein paar Fotos von Nara sehen wollt, klickt bitte hier.

Es war jetzt ca. 14:30 und wir mussten uns wieder auf den Weg zum Bahnhof machen, um rechtzeitig in Iga-Ueno anzukommen. Die Fahrt war ein bisschen kompliziert weil wir zweimal umsteigen mussten (in Kizu und Kamo) ehe wir schließlich Iga-Ueno erreichten. Dies machte die Fahrt jedoch noch interessanter.

Als wir von der JR-Kyoto-Hauptlinie in die örtliche Kansai-Linie umstiegen, bemerkte ich, dass es unmöglich ist sich zu verlaufen. Alle Schilder und Karten in Bahnhöfen (sogar im winzigen 2-Gleis Bahnhof Kamo) sind sowohl auf Japanisch als auch Englisch. Zusammen mit einer guten Karte oder Führer kann man sich also sicher gut zurechtfinden.

Was diese Fahrt angeht hatten wir nicht so viel Glück. Als wir in Kamo in den Zug stiegen, merkten wir, dass es schon nach 16:00 war, und dass es eng werden würde. Wir unterhielten uns mit der einzigen Person im Zug, die nicht aus der Gegend war (ein amerikanischer Austauschschüler, der in der Nähe wohnte und in Kyoto studierte). Er hat uns erzählt, dass das Ninja-Museum auf jeden Fall einen Besuch wert ist, aber dass es so gegen 17:30 schließt, deswegen standen die Chancen schlecht, dass wir es rechtzeitig schaffen würden. Und wir kamen tatsächlich erst kurz nach 17:00 in Iga-Ueno an, gute zwei Stunden nachdem wir Nara verlassen hatten. Wir wussten, dass es nun zu spät für das Museum war, deshalb entschlossen wir uns nach Kyoto zurückzukehren und morgen dorthin zu fahren und uns dann etwas mehr Zeit zu lassen, da wir jetzt wussten wie lange wir von Kyoto aus brauchen würden.

Wir nahmen den nächsten Zug nach Kamo und fuhren dann nach Kyoto weiter. Leider erwischten wir diesmal einen langsamen Zug aber das machte nichts, da wir sehr müde waren und so die Gelegenheit einer Ruhepause gern entgegen nahmen. Und es ergab sich noch eine Gelegenheit: wir erlebten zwei weitere typische Vorfälle, die zeigen wie einzigartig die japanische Kultur ist.

Zuerst erlebten wir unser erstes Meishi, in anderen Worten das Austauschen von Visitenkarten. Uns saß ein gut, im Anzug gekleideter Herr mittleren Alters im Abteil gegenüber, der, sobald er in den Zug einstieg, anfing uns zu mustern. Anfangs dachten wir, dass das ein wenig seltsam war, da wir dachten, dass es doch sicherlich eine Menge ausländischer Touristen in Zügen zwischen Nara und Kyoto gäbe. Dann bemerkten wir jedoch warum er uns die ganze Zeit anschaute: er wollte mit uns sprechen. Er sagte also Hallo in einem Englisch, das wir anfangs nur sehr schlecht verstanden (später hatten wir uns daran gewöhnt) und fing an uns zu erklären, dass er Business-Englisch auf der Universität Osaka studiert, und dass er ganz scharf darauf sei zu üben. (Na ja, das haben wir verstanden! Haha) Kurz nachdem er Hallo sagte, zog er einen Kartenhalter aus seiner Jackentasche und gab uns beiden eine Karte (und natürlich hielt er die Karte mit beiden Händen). Ich war darauf vorbereitet und tat es ihm gleich. Er war davon sehr beeindruckt und betrachtete meine Karte ganz genau und begann dann mit aufrichtigem Interesse Fragen über meine Arbeit und wo ich arbeite zu stellen.

Die Umgangsformen im japanischen Geschäftsleben, besonders der Austausch von Visitenkarten, ist ein kulturelles Element, das man schon richtig hinkriegen möchte wenn man dort Geschäfte macht. Ich erfuhr jedoch, dass dies für jede Lebenssituation gilt. Ich habe die (eher ungewohnte!) Erfahrung, die Karte von jemandem genau zu betrachten und sich dann, nur durch reines Ansehen, angemessene Fragen zu überlegen sicherlich geschätzt. Das hält die Unterhaltung aufrecht. Es ist auch ein Zeichen von Respekt gegenüber der Person, mit der man spricht, dass man die Karte mit dem gleichen Respekt behandelt wie die Person. Man darf also nicht irgendwelche Sperenzchen machen und die Karte falten oder sie in die Gesäßtasche stecken – das wäre ein schlimmer Fauxpas!

Der zweite Vorfall war sogar noch bemerkenswerter – für Leute wie uns, die in einem Land leben, in dem Züge undenkbar sind und sich doch mit ständigen Verspätungen abfinden müssen. Nach einer Weile erreichte der Zug einen Bahnhof und nachdem die Passagiere einstiegen schlossen die Türen nicht und wir fuhren nicht weiter, aber nur für ungefähr zwei Minuten. Anscheinend ist eine zweiminütige Verspätung in einem japanischen Zug ziemlich schlimm. Der Schaffner machte eine Durchsage und auf einmal sprangen einige Leute von ihren Sitzen auf, rasten zum Schalter im Bahnhof und schließlich wieder zurück mit einem kleinen Stück Papier in ihrer Hand. Wir waren baff. Zum Glück saß ein anderer Westländer in der Nähe und bemerkte, dass wir überrascht waren und erklärte uns folgendes: Wenn es ein Gewitter in Kyoto gibt, werden alle einfahrenden Züge angehalten bis der Sturm vorbei ist. Der Rat, den man Passagieren gibt, lautet dann: holt euch eine Bestätigung, die verdeutlicht, dass die Verspätung die Schuld der Zuggesellschaft war. So hat man eine Entschuldigung falls man zu spät zur Arbeit kommt. Nur zur Erinnerung: dies passierte gegen 20:00 also scheint das die übliche Vorgehensweise in Japan zu sein…

Ein paar Minuten später fuhr der Zug weiter und wir erreichten Kyoto müde, aber mit einer Menge faszinierender Erinnerungen. Nun war es an der Zeit uns auszuruhen und uns für die Ausflüge am nächsten Tag vorzubereiten. Der eine würde uns nach Iga-Uena führen (diesmal ein erfolgreicher Besuch!) und der andere zur Burg Himeji.

Montag, 24. November 2008

Tag 2

Es ist 3:00 Uhr in der Früh und ich bin wach, was natürlich kaum eine Überraschung ist. Was immer ihr auch zuvor über Jetlags gehört habt stimmt absolut – sie bringen einen total aus dem Rhythmus. Wenn man etwas Gutes zum Lesen dabei hat (mein Dankeschön geht an Maria für den Tipp!), ist das aber überhaupt kein Problem. Sogar Lesen fühlt sich zu dieser Tageszeit aber ein bisschen seltsam an. Ein paar Stunden später beginnt ein schrilles, metallisches Geräusch unten von der Straße her lauter zu werden. Später sollte ich dann feststellen, dass dieses kontinuierliche Summen nichts anderes als der Gesang endloser Schwärme japanischer Zikaden war. Auf Japanisch werden sie als semi bezeichnet und sie nisten dort in jedem Baum. Insbesondere im Juli und August gibt es kaum einen Ort, an dem man sie nicht hören kann. Angeblich leben sie auch nur sehr kurz. Während sie am Leben sind, versuchen sie deshalb so oft wie möglich ihren betäubenden Gesang verlauten zu lassen.
Gegen 6:00 Uhr beschloss ich dann, dass es an der Zeit ist den Tag zu planen. In Kyoto gibt es ziemlich viel zu sehen, daher wäre es eine gute Idee, so viele Orte wie möglich an einem Tag zu besichtigen, damit wir an den Tagen, an denen wir noch in Kyoto sind, für unsere Ausflüge außerhalb der Stadt mehr Zeit haben. Für diese Art von Planung gibt es nichts Besseres als den erstklassigen Dorling-Kindersley-Führer, der sich als äußerst wertvoller Begleiter während der gesamten Reise entpuppte.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Burg Nijo-jo, unserer ersten Station an diesem Tag. Es war kurz vor 9:00 als wir den 15-minütigen Fußmarsch zur Burg antraten und es fühlte sich so an, als hätte es schon 35°C. Wir brauchten ein bisschen Zeit, um uns an diese Hitze zu gewöhnen… Die Burg Nijo-jo wurde ursprünglich als offizieller Sitz des ersten Tokugawa Shoguns, Ieyasu, im Jahr 1603 erbaut und wurde 1626 vom dritten Tokugawa Shogun, Iemitsu, fertig gestellt. Heute gehört sie zu einer der 17 UNESCO Welterbestätten in Kyoto. Neben dem beeindruckenden Ninomaru Palast, der sich auch auf der Liste nationaler Kostbarkeiten in Japan befindet, kann man auf der Ostseite des Geländes sowie der verschiedenen imposanten Bauwerke um den inneren Honmaru Palast einfach nur einen Spaziergang in den vielen Gärten zwischen den Gebäuden genießen. Obwohl es um 10:00 Uhr schon extrem heiß war, stellten sich die Gärten und der Burggraben, der die Mauern von Honmaru umgibt, als ein angenehm kühles Intermezzo heraus.
Als wir die verschiedenen Räume im Inneren des Ninomaru Palastes besichtigten, konnten wir eine Reihe exklusiver Wandgemälde begutachten. Die wohl erwähnenswerteste Besonderheit dieses Gebäudes – abgesehen von den unglaublich alten und äußerst gut erhaltenen Gemälden (viele davon gehen zurück bis ins 17. Jahrhundert) – ist der berühmte Nachtigallenboden (Uguisu-Bari). Der Gedanke eines quietschenden Fußbodens, der so klingt wie ein Singvogel, wenn man darauf tritt, hört (und fühlt) sich wohl ziemlich unglaublich an. Diese Methode diente den Bewohnern des Palastes dazu, Eindringlinge besser hören zu können.
Wenn ihr an Fotos von der Burg Nijo-jo interessiert seid, klickt bitte hier.

Als nächstes wollten wir am Kaiserpalast Halt machen. Obwohl es auf der Karte so aussah, als ob er sich ziemlich in der Nähe der Burg Nijo-jo befände, brauchten wir doch gute zehn Minuten mit dem Taxi dorthin – zumindest um das Haupttor am nordwestlichen Punkt des Geländes zu erreichen. Ehe man als Besucher das Gelände betreten darf, braucht man eine Genehmigung vom kaiserlichen Hofamt, die man sich vor seinem Besuch besorgen muss. Diese bringt einige spezielle Richtlinien mit sich, deshalb kümmerten wir uns sofort darum und versuchten dann eine Führung am Nachmittag zu bekommen. Glücklicherweise war die englische Führung um 14:00 Uhr noch nicht voll. Später erfuhren wir dann von anderen Besuchern, die erst am Nachmittag ankamen, um sich die Genehmigung zu besorgen, dass sie am nächsten Tag wiederkommen mussten.

Nachdem wir unsere Genehmigungen erhalten hatten, machten wir uns auf zu unserem nächsten Halt, dem Shimogamo-Schrein, in die nördlichen Ausläufer der Stadt.
Dies ist einer der ältesten Schreine der Shinto-Religion in Kyoto. Genau genommen handelt es sich dabei um einen vollständigen Komplex kleiner Tempel, Lagerhallen und einer Reihe anderer Gebäude. Das Gelände befindet sich in einem sehr alten Wald, der nahezu als heilig betrachtet wird. Nachdem ich auf einem der Bänke im Park auf der Südseite des Schreins gesessen bin, kann ich es ihnen, um ehrlich zu sein, nicht verdenken. Die dichten Blätter lassen gerade genug Sonnenlicht durchstrahlen, um einen hellgrünen Hintergrund für Bäche, große Krähen, Jogger, und natürlich müde Touristen zu bilden.
Hier fand allerdings auch unser erstes seltsames Ereignis statt. Wie immer dachte ich mir, dass es klug wäre eine Führung des Hauptschreins zu machen, der normalerweise für Touristen nicht zugänglich ist. Wir bezahlten also einen bescheidenen Eintrittspreis und gingen in ein Vorzimmer, wo uns der Führer – mich, meinen Freund und ein junges japanisches Paar mit ihrem Baby – aufforderte, Platz zu nehmen. Der Führer zeigte uns einen kleinen Ordner mit Klarsichthüllen, in denen sich – auf einem Blatt Papier abgebildet – einige Wörter und Sätze auf Kanji befanden und begann ausführlichst die Geschichte des Schreins zu erzählen – in hervorragendem… Japanisch. Nach ein bis zwei Minuten, als wir merkten, dass es die Führung wohl nur auf Japanisch gab, fühlten wir uns ein bisschen unwohl. Wir warteten jedoch geduldig bis unser Führer seine Rede beendet hatte und folgten ihm aus dem Vorzimmer. Es sollte noch mehr kommen. Er führte uns dann zu dem Garten im Inneren des Schreins, wir folgten ihm also dorthin. Der Garten war wunderschön und der Schrein sah unglaublich alt aber sehr gut erhalten aus.
Währenddessen bombardierte uns der Führer mit detaillierten Einzelheiten, ohne sich überhaupt davon abschrecken zu lassen, dass zwei Gaijins, die eindeutig kein Wort verstanden, immer noch dabei waren. Mittlerweile war unsere Neugier auf das Innere des Schreins größer als unsere Unbehaglichkeit, wobei diese ganze Situation sicherlich als peinlich amüsant auf einen Beobachter von außen schien. Nachdem wir also weiter hinaus zu einem anderen Teil des Gartens gingen, wo wir ein offenes Tor sahen, das den Eingang des Geländes darstellte, packten wir die Gelegenheit beim Schopf und machten einen diskreten Abgang.

Nach einer kurzen, aber sehr willkommenen Pause in dem Park, den ich vorher erwähnte, entschlossen wir uns, uns zu unserem nächsten Ziel aufzumachen.

Wenn ihr ein paar Fotos vom Shimogamo-Schrein sehen wollt, klickt bitte hier.

Als nächstes machten wir in den Nordnordwestlichen Ausläufern der Stadt Halt, am wunderschönen Goldenen Pavillon (Kinkaku-ji). Er wurde 1397 erbaut, drei Jahre nachdem Ashikaga Yoshimitsu die Krone niederlegte und den Entschluss fasste, sich in dieser Gegend zurückzuziehen, um die Ruhe des Priestertums zu genießen. Der Pavillon befindet sich im Zentrum eines bezaubernden Gartens, am Rande eines Sees, der Spiegelsee genannt wird.
Der ursprüngliche Tempel wurde das letzte Mal 1950 in einem Brand zerstört. Daher ist der Pavillon, den man derzeit dort findet, ein Wiederaufbau, bei dem alle ursprünglichen Aspekte (Vergoldung durch Blattgold, Gemälde, usw.) originalgetreu wiederhergestellt wurden.
Bei einem Spaziergang in den Gärten konnte man einige herrliche Ausblicke genießen:
Wenn ihr noch mehr Fotos von Kinkaku-ji sehen wollt, klickt bitte hier.

Es war jetzt ungefähr zwei am Nachmittag und die Hitze wurde wirklich unerträglich. Eine Sache, die man in Japan schätzt – vor allem dort, wo es viele Besucher und Touristen gibt – sind die Automaten mit Erfrischungsgetränken, die sprichwörtlich überall stehen. Wenn die Japaner diese Automaten auch in Tempeln aufstellen dürften, würden sie das sicher tun. Und obwohl manche Marken sich nach eurem Geschmack wohl nicht sehr verlockend lesen oder anhören, wie z.B. Pocari Sweat („Sweat“ steht im Englischen für „Schweiß“), findet man in ihnen so ziemlich alle Erfrischungsgetränke, nach denen man in einem Automaten Ausschau hält. Manchmal findet man sogar Dinge, die man als Bürger aus dem Westen in einem Automaten nicht erwarten würde – wie Bier. Nicht, dass man in dieser Hitze überhaupt Bier trinken möchte...
Der Tipp für heute lautet also: schleppt keine 2-Liter-Wasserflaschen mit euch herum. Das Wasser wird sehr schnell warm und die Flaschen sind nur eine unnötige Last. Teilt euch das Wasser und die Erfrischungsgetränke ein während ihr unterwegs seid. Im Durchschnitt tranken wir ungefähr 4 Liter Wasser pro Tag wenn wir draußen waren, das Ganze kann also nach einer Zeit ziemlich teuer werden. Die andere Option wäre natürlich, nicht im August nach Japan zu fahren. (Hab ich das schon mal erwähnt? Keine Sorge, ihr werdet das immer wieder lesen.)

Nun war es Zeit zum Kaiserpalast für die Nachmittagsführung zurückzukehren.

Der Kaiserpalast in Kyoto ist definitiv eines der beeindruckendsten Bauwerke. Da der Kaiser von Japan bis 1869 (dann zog er nach der Meiji-Restauration nach Tokyo) in diesem Palast residierte und Kyoto ein bisschen länger als 1000 Jahre die Hauptstadt Japans war, macht es durchaus Sinn, dass dieser Gebäudekomplex Besonderheiten aufweist, die die Kunst und Architektur vieler Jahrhunderte widerspiegeln. Kurz vor dem Gishumon-Tor verließen wir mit den ca. 120 Touristen der Führung den Warteraum und gingen südlich die Westmauer des 11-Hektar-Anwesens entlang.

Wie sehr häufig wenn man in Japan äußerst luxuriöse Kulissen erwartet, bekommt man genau das Gegenteil. Die Bauweise der meisten Gebäude ist einfach und scheinbar gewöhnlich und den Gesamteindruck, den man von dem Lebensstil bekommt, den die Bewohner dieses Palastes wohl führten, lässt Enthaltsamkeit und Mäßigung vermuten. Eine Innenausstattung ist so gut wie nicht vorhanden und man findet höchstens jahrhundertealte Gemälde, entweder schwarze Tinte auf weißem Reispapier und Seide oder Farbpigmente auf Holzvertäfelungen, wie auf dem untenstehenden Bild:
Wie beim Kinkaku-ji war wohl die beeindruckendste Besonderheit der Anlage der sich im Osten befindliche wunderschöne (Oikeniwa) Garten. Ein weitreichendes System aus Kanälen endet in einem Teich, der unter anderem die schöne Keyakibashi-Brücke beheimatet:
Ein äußerst erfrischender Anblick in der glühenden Nachmittagshitze.

Wenn ihr noch mehr Fotos vom Kaiserpalast in Kyoto sehen wollt, klickt bitte hier.

Nachdem wir müde und ausgelaugt nach einem Tag, der um 3:00 in der Früh begann, auf unsere Uhren schauten, beschlossen wir, dass es um 16:00 Zeit war zu unserem Hotel zurückzukehren und uns auszuruhen – und vielleicht auch einen Versuch zu unternehmen, unsere innere Uhr zu synchronisieren. Deshalb machten wir uns nach einem Tag in Kyoto, der voll mit Besichtigungen war und den wir ausgiebig genossen, auf den Rückweg. Der morgige Tag würde uns nach Nara führen, der alten Hauptstadt Japans.

Fortsetzung folgt...